Jahrhundertealte Tradition aus Fernost
Der japanische Begriff Mokume Gane bedeutet übersetzt: Holzmaserung in Metall. Das beschreibt auch sehr treffend die optische Wirkung dieser traditionellen Technik. Zwei, manchmal auch mehr, verschiedenfarbige Metalle verleihen Schmuckstücken, Klingen und anderen kunsthandwerklichen Gegenständen eine strukturierte Oberfläche, die mit ihren feinen organischen Linien und Formen an natürlich gewachsene Holzmaserungen oder an polierten Marmor erinnert.
Ein ästhetisches Vorbild für Mokume Gane war Tsuishu, eine ursprünglich chinesische Lacktechnik, bei der durch Einkerben in dicke Schichten verschiedenfarbiger Lacke Muster erzeugt werden. Im 17. Jahrhundert schuf der Meister Denbei Shaomi in der nordwestjapanischen Präfektur Akita als Erster kunstvolle Schwertgriffe, indem er Bleche aus Gold, Silber, Shakudo und Kupfer durch Feuerschweißen verband. Dabei entstanden Muster, die man auch bei Lackarbeiten und damasziertem Stahl fand.
Denbei Shaomi gilt als Erfinder von Mokume Gane und gab dieser neuen Technik ihren Namen. Das Wissen wurde über Jahrhunderte von Meistern an ihre Schüler weitergegeben. In der westlichen Welt tauchten erstmals Ende des 19. Jahrhunderts kunstvolle japanische Vasen aus Mokume Gane auf. Seit den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts erforschten auch westliche Goldschmiede die Mokume-Technik und entwickelten sie weiter.
Schweißen mit Fingerspitzengefühl
Die Muster in Mokume Gane ergeben sich aus Schichten verschiedenfarbiger Metalle. Deshalb ist die Grundlage jeder Mokume-Arbeit ein Barren, der aus verschiedenen Schichten Metallblech besteht. Aber nicht alle Metalle eignen sich gleich gut dafür. Häufig werden für die Bleche spezielle Legierungen gegossen. Auch das gewählte Gussverfahren und die weitere Verarbeitung des Blechs haben Einfluss auf die Qualität des späteren Barrens.
Die Verbindung der einzelnen Bleche kann durch Löten erfolgen, was allerdings eine meist unerwünschte zusätzliche Lotschicht zwischen den Blechen zur Folge hat. Besser geeignet ist das Diffusionsschweißen mit einem Brenner oder im Ofen. Dabei werden die unter Druck aufeinander geschichteten Bleche bis zu einer bestimmten Temperatur unter dem Schmelzpunkt der Metalle erhitzt, dem so genannten eutektischen Punkt, an dem die Metalle an den Schichtgrenzen eine hauchdünne, aber dauerhafte Legierung eingehen.
So verschmilzt der Mokume-Barren zu einem einzigen Block und zeigt dennoch klare Abgrenzungen zwischen den Farben. Dafür dafür braucht man viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Ist das Diffusionsschweißen geglückt, kann der Barren durch Schmieden und Walzen weiterverarbeitet werden.
Die Holzmaserung im Metall
Ein fertiger Mokume-Barren zeigt an seinen Schnittkannten ein einfaches, gleichmäßiges Streifenmuster. Um die typischen Mokume-Muster zu erzeugen wird der Barren, in vielen Schritten bearbeitet. Man kann ihn zum Beispiel zu einem Blech schmieden, dann mit Meißeln oder Punzen bearbeiten. Nach dem Walzen und Schleifen zeigt das Blech Muster aus den verschiedenen Farbschichten, bei denen auch der Zufall immer eine Rolle spielt.
Ein Klassiker ist das Sternmuster, das durch Torsion entsteht. Dazu wird der erhitzte Barren mehrfach um seine eigene Achse verdreht. Die einzelnen Metallschichten zeigen dann an den Schnittkanten geschwungene Linien, die sich zu sternförmigen Zentren verdichten.
Ein neues Ganzes aus zwei unterschiedlichen Elementen
Nicht nur der ästhetische Reiz von Schmuck aus Mokume Gane begeistert Schmuckliebhaber. Die individuellen Einzelstücke können auch einen ganz besonderen symbolischen Gehalt haben. So bringen zum Beispiel Trauringe aus Mokume Gane den Bund fürs Leben in sinnfälliger Weise zum Ausdruck.
Zwei verschiedene Metalle bilden ein untrennbares harmonisches Ganzes. Die Ringe werden aus einem einzigen Barren geschmiedet. Sie sind zwei Unikate, die in ihrer Musterung unverkennbar zusammengehören und doch jedes für sich einzigartig sind. Verbunden durch eine gemeinsame Entstehungsgeschichte und ganz individuell für das Brautpaar in liebevoller Handarbeit geschmiedet.